Die Berufsunfähigkeits-Versicherung (BU) – Alles wissenswertet

Wer arbeitet, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, ist darauf angewiesen, nicht länger auszufallen. Doch nicht immer läuft alles nach Plan. Eine unfall- oder krankheitsbedingte Berufsunfähigkeit kann jede und jeden treffen. Statistisch wird jede vierte berufstätige Person im Laufe des Arbeitslebens mindestens einmal berufsunfähig und kann der bisher ausgeübten Tätigkeit nicht weiter nachgehen

Berufsunfähigkeits-Versicherung – Einfach erklärt

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung schützt Angestellte und Selbstständige im Falle einer Berufsunfähigkeit vor den damit einhergehenden finanziellen Folgen und deckt so ein existenzbedrohendes Risiko ab.

Wichtig zu wissen: Das Berufsunfähigkeits-Risiko ist unabhängig vom ausgeübten Beruf. Auch ein vermeintlich „gefahrenfreier“ Bürojob schützt nicht vor Berufsunfähigkeit. So machen z.B. psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen oder Angststörungen etwa ein Drittel aller Fälle von Berufsunfähigkeit aus.

Was ist eine Berufsunfähigkeits-Versicherung?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine vertraglich vereinbarte Rente aus, wenn Du als Versicherter oder Versicherte den vertraglich festgelegten Grad der Invalidität nachweisen kannst. Anders gesagt: Bist Du aufgrund einer Verletzung oder Erkrankung temporär oder permanent nicht mehr in der Lage, Deinen aktuellen Beruf auszuüben und so für Dein Einkommen zu sorgen, springt Deine BU ein.

Wichtig zu wissen: Eine BU ist immer eine Risikoversicherung ohne Gewinnansparung. Das bedeutet, dass es bei der BU keine Auszahlung gibt. Versicherungsmodelle mit Auszahlung zum Ende der Laufzeit sind alternativ eine Kapitallebens- oder Rentenversicherung.

Berufsunfähigkeits-Versicherung mit Beitragsrückgewähr

Eine Ausnahme bildet die Berufsunfähigkeitsversicherung mit Beitragsrückgewähr. Bei einer vereinbarten Beitragsrückgewähr erhältst Du Geld zurück, wenn Du im Laufe Deines Berufslebens nicht berufsunfähig geworden bist. Allerdings erhältst Du nicht Deine Beiträge zurück, sondern nur die Überschüsse aus der Kapitalanlage. Tritt eine Berufsunfähigkeit ein, erhältst Du keine Rückerstattung.

Unser Tipp Eine BU mit Rückzahlung ist nicht unbedingt sinnvoll. Die mögliche Rückzahlung hängt u.a. von deinem Tarif und der Anlagestrategie Deines Versicherers ab – das kann schnell zur Kostenfalle werden. Möchtest Du Dich fürs Alter absichern, eigenen sich andere Vorsorgemöglichkeiten wesentlich besser.

Welche gesetzliche Alternative zur Berufsunfähigkeits-Versicherung gibt es?

Vielleicht fragst Du Dich jetzt, ob der Gesetzgeber auch in Sachen Berufsunfähigkeit vorgesorgt hat. Das lässt sich mit einem deutlichen „Jein“ beantworten.Vielleicht fragst Du Dich jetzt, ob der Gesetzgeber auch in Sachen Berufsunfähigkeit vorgesorgt hat. Das lässt sich mit einem deutlichen „Jein“ beantworten.

Die Erwerbsminderungsrente

Eine Erwerbsminderungsrente bekommt, wer weniger als 3 Stunden täglich einer beruflichen Tätigkeit nachgehen kann. Gemeint ist damit nicht der aktuell ausgeübte Beruf, sondern jede mögliche Erwerbstätigkeit. Nur, wenn jemand also voll und ganz erwerbsunfähig ist und diese Situation auch nicht durch Reha- oder Umschulungsmaßnahmen verbessert werden kann, gilt ein Anspruch auf Erwerbsminderungsrente.

Voraussetzung dafür ist in jedem Fall, dass Du vor Eintritt der Erwerbsminderung seit mindestens fünf Jahren in der Deutschen Rentenversicherung (DRV) versichert bist und darin mindestens drei Jahre lang Pflichtbeiträge an die Rentenversicherung gezahlt hast.

Die gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente

Ja, es gibt auch eine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente. Diese gilt jedoch nur Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die vor 1961 geboren sind.

Beruf vs. Erwerb – Was ist was?

Wichtig zu wissen: Die Berufsunfähigkeit ist nicht dasselbe wie Erwerbsunfähigkeit. Die sogenannte „abstrakte Verweisung“ erlaubt es dem Berufsunfähigkeitsversicherer, Dich im Falle von Unfall oder Krankheit auf eine alternative berufliche Tätigkeit zu verweisen, anstatt eine Rente zu zahlen. Erleidet z.B. ein Dachdecker einen Sturz, ist er zwar in dieser Tätigkeit als berufsunfähig zu betrachten, kann aber weiterhin erwerbsarbeiten, z.B. als Pförtner.

Unser Tipp Achte beim Abschluss Deiner BU-Versicherung darauf, dass eine abstrakte Verweisung ausgeschlossen ist.

Leistungen einer Berufsunfähigkeits-Versicherung

Deine BU zahlt Dir solange monatlich die vereinbarte Leistung aus, bis Dir von ärztlicher Seite bescheinigt wird, dass du zu mindestens 50% wieder deinem Beruf nachgehen kannst oder bis das Ende deiner Vertragslaufzeit erreicht ist.

Um das reale Risiko für einen möglichen Versicherungsfall zu ermitteln, überprüft Deine BU regelmäßig Deinen aktuellen Gesundheitsstatus und aktualisiert diesen gegebenenfalls.

Grad der Berufsunfähigkeit

Im Gegensatz zur vollen Berufsunfähigkeit ist die teilweise Berufsunfähigkeit eine Beeinträchtigung, aufgrund derer eine Person ihren Beruf nur noch teilweise ausüben kann. Der Grad der Berufsunfähigkeit bemisst sich prozentual an der Tätigkeit.

Hier gilt die 25/75-Klausel: Ab einer Berufsunfähigkeit von mindestens 25% wird eine anteilige Rente ausgezahlt. Die volle Versicherungsleistung greift bei einer Berufsunfähigkeit ab 50%, in manchen Fällen ab 75%.

In der Regel erhältst Du eine BU-Rente, sobald du für voraussichtlich mindestens sechs Monate lang nicht mehr als 50% in deinem bisherigen Beruf arbeiten kannst.

Bezug der BU-Rente

Wird während des Bezugs von Berufsunfähigkeits-Rente eine andere Tätigkeit aufgenommen, kommt es damit zum Wegfall der BU-Rente, da in diesem Fall keine aktuelle Berufsunfähigkeit mehr vorliegt.

Die BU-Rente endet, sobald du wieder mehr als 50% arbeiten kannst oder wenn das Ende deiner Vertragslaufzeit erreicht ist. Damit es zu keiner unversicherten Lücke kommt, sollte deine Police möglichst nah ans Renteneintrittsalter (63 oder 67 Jahre) heranreichen.

Unser Tipp Im Falle einer Berufsunfähigkeit zahlst du nicht weiter in die Rentenkasse ein. Kümmere dich also in jedem Fall um deine (private) Altersvorsorge!

Berufsunfähigkeits-Versicherung – kündigen, pausieren oder behalten?

Möchtest Du Deine BU kündigen, bist Du an gesetzliche Fristen gebunden.

Kündigung der BU

Grundsätzlich gilt: Laut Paragraf 11 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) muss die Kündigungsfrist für beide Vertragsparteien gleich lang sein und zwischen einem und drei Monaten liegen.

Wie eine Hausrat- oder Haftpflichtversicherung ist die Berufsunfähigkeitsversicherung eine Risikoversicherung und sollte auch so behandelt werden. Vorzeitiges Kündigen bedeutet meist einen Verlust der Rentenbeiträge – Du bekommst also kein Geld zurück.

Pausieren der Beitragszahlungen

Bei Berufsunfähigkeitsversicherungen mit Beitragsrückgewähr ist es unter Umständen möglich, die Beitragszahlungen zu pausieren. Informiere Dich hierzu bei Deinem Versicherer.

Möchtest Du Deine BU aus finanziellen Gründen pausieren, kannst Du Deinen Vertrag beitragsfrei stellen. Du zahlst dann keine Beiträge, erhältst aber auch nur eine stark verminderte Berufsunfähigkeitsrente, falls Du in dieser Zeit berufsunfähig wirst.

Deine BU sollte die gesamte Zeit Deines Erwerbslebens „durchlaufen“ – ein Neuanfang wäre mit erheblichen Mehrkosten verbunden.

Zahlen und Fakten – Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Höhe der zu zahlenden Beiträge richtet sich nach Deinem Eintrittsalter, Deinem Gesundheitszustand, der vereinbarten Höhe der im Versicherungsfall gezahlten BU-Rente und dem Risikofaktor Deiner ausgeübten Tätigkeit.

Generell gilt: Mindestens 50%, besser 70% Deines Nettoeinkommens solltest Du in einer BU absichern – mindestens jedoch 1000 Euro. Gute Tarife gibt es bereits ab etwa 40 Euro monatlich.

Ein Gesundheitscheck vor Vertragsbeginn überprüft, ob Du für den Abschluss einer BU in Frage kommst. Die darin von Dir beantworteten Gesundheitsfragen können auch einen Beitragsaufschlag oder sogar eine Ablehnung zur Folge haben.

Unser Tipp Existieren Vorerkrankungen, kann das zu einem Prämienaufschlag oder gar einem Versicherungsausschluss führen. Daher empfiehlt es sich, möglichst schon in jungen Jahren eine BU-Versicherung abzuschließen, wenn die gesundheitlichen Risiken noch überschaubar sind und die Tarife entsprechend niedrig.

Ausnahmen von der Leistungspflicht

Viele Versicherer schließen bestimmte Leistungsfälle von der Leistungspflicht aus. Dazu zählen psychische und physische chronische Vorerkrankungen sowie bestimmte hohe oder nicht kalkulierbare Risiken.

Unser Tipp Heimlichkeit ist keine gute Idee. Hast Du eine psychische Vorerkrankung wie z.B. eine Depression bei Vertragsabschluss nicht angegeben, kann Dein Versicherer unter Umständen vom Vertrag zurücktreten oder diesen kündigen. In diesem Fall erhältst du keinerlei Leistung.

Kannst du aufgrund einer Vorerkrankung keine BU-Versicherung abschließen, kannst du alternativ eine Grundfähigkeitsversicherung oder eine Schwere-Krankheiten-Versicherung (Dread Diseases) als Arbeitskraftsicherung in Betracht ziehen. Diese Versicherungen versichern zwar meist keine psychischen Erkrankungen, sichern dich aber im Fall anderer Erkrankungen finanziell ab – auch unabhängig von einer konkreten Berufsunfähigkeit. Hier lohnt sich eine genaue Prüfung der jeweiligen Versicherungsbedingungen – wir stehen Dir dabei gerne zur Seite.

BU und Steuer

Deine Berufsunfähigkeitsversicherung ist im Rahmen der „Sonderausgaben“ steuerlich absetzbar und mindert so Dein zu versteuerndes Einkommen.

Versicherte Personen in der Berufsunfähigkeits-Versicherung

Vor allem für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die auf ihr Einkommen angewiesen sind und nach dem 01.01.1961 geboren sind, ist eine BU besonders wichtig. Da es, wie oben ausgeführt, dort auf Wunsch keine abstrakte Verweisungsklausel gibt, ist die Berufsunfähigkeit umfangreicher abgesichert als eine reine Erwerbsunfähigkeit m Sinne der Rentenkasse.

Unser Tipp Bist Du berufstätig – ob selbstständig oder angestellt – und finanziell auf Dein Einkommen angewiesen, empfehlen wir Dir, eine BU abzuschließen.

Sonderfälle

Einen Sonderfall bilden Soldaten und Soldatinnen und andere Beamten. Hier greift im Fall des Falles die sogenannte Dienstunfähigkeitsversicherung.

Berufswechsel in der BU

Da es keine dahingehende Meldepflicht gibt, bist Du auch im Falle eines Berufswechsels automatisch weiterversichert. Auch bei höheren Gefahrengruppen gibt es die volle vereinbarten Leistung.

Unser Tipp Beim Berufswechsel in niedrigere Gefahrengruppen (z.B. vom Sprengmeister zum Büromitarbeiter) lohnt sich eine Aktualisierung der Berufsgruppe, da dein Tarif entsprechend günstiger wird.

Sinnvoll oder nicht – Die wichtigsten Fakten zur Berufsunfähigkeits-Versicherung

Bist Du im Job finanziell sicher aufgestellt, empfehlen wir den Abschluss einer BU, da sie meist erst im höheren Alter benötigt wird. Wie sinnvoll eine BU ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Lies dazu gerne in unserem Ratgeber Braucht man eine Berufsunfähigkeitsversicherung? weiter. Im Gegensatz zu anderen Versicherungen ist „Versicherungshopping“ im Fall einer BU kontraproduktiv, da hier Deine individuelle Gesundheitsprüfung und Dein Eintrittsalter entscheidend sind. Da die BU eine reine Risikoversicherung ist, sollte sie nicht mit anderen Versicherungen – etwa einer Rentenversicherung – kombiniert werden. Das geht zwar, hat aber nur wenig Nutzen – ein wenig so, als würdest Du einen Porsche mit Anhängerkupplung fahren wollen.

Viele BU kannst Du online abschließen. Wir unterstützen Dich gerne bei der Wahl des für Dich und Deine Situation passenden Versicherers. Auch wenn Du noch unsicher bist oder inhaltliche Fragen hast, sind wir jederzeit für Dich da. Mit Wechselgott hast Du alle Versicherungen immer im Blick – ganz ohne Papierkram.